Mutterliebe

Größe: 40 x 60 cm, Acryl auf Leinwand

„Zu St.Omer im nördlichen Frankreich ereignete sich im Jahre 1803 ein merkwürdiger Vorfall. Daselbst fiel ein großer toller Hund, der schon mehrere Menschen beschädigt hatte, über zwei, unter einer Haustür spielende, Kinder her. Eben zerreißt er das jüngste, das sich, unter seinen Klauen, im Blute wälzt; da erscheint, aus einer Nebenstrasse, mit einem Eimer, den sie auf dem Kopf trägt, die Mutter. Diese, während der Hund Kinder losläßt, und auf sie zuspringt, setzt den Eimer neben sich nieder; und außerstande zu fliehen, entschlossen, das Untier zumindest mit sich zu verderben, umklammert sie, mit Gliedern, gestählt von Wut und Rache, den Hund; sie erdrosselt ihn, und fällt, von grimmigen Bissen zerfleischt, ohnmächtig neben ihm nieder. Die Frau begrub noch ihre Kinder und ward, in wenigen Tagen, da sie an der Tollwut starb, selbst zu ihnen ins Grab gelegt“

Aus: „Über das Marionetten Theater“ von Heinrich von Kleist